Aus unserem Lernstudio: Das Marburger Konzentrationstraining


Wenn du zur gleichen Zeit an tausend verschiedene Sachen denkst oder wenn du überall zugleich hinschaust, siehst du alles nur ganz kurz und oberflächlich und kannst dich hinterher nicht mehr vollständig an alles erinnern. Du vergisst vieles! Wenn du eine Information wirklich lernen willst, musst du sie ins „Licht deiner Aufmerksamkeit“ rücken, damit du sie dort betrachten kannst. Wenn du immer nur eine Information anschaust, kannst du sie dir gut merken, du kannst sie sogar aufzeichnen. Das nennt man Konzentration.


Lehrkräfte und Eltern berichten häufig über Schüler/-innen, denen es schwerfällt, sich zu konzentrieren. Sie registrieren eher die Ablenkungen in ihrer Umgebung und fokussieren ihre Aufmerksamkeit nicht auf die ihnen gestellten Aufgaben. Dabei zeigen sich sowohl in der Schule als auch zuhause zwei Erscheinungsbilder: flüchtig-impulsiv arbeitende und trödelnde Schüler/-innen.

Das Marburger Konzentrationstraining (MKT) ist eine Trainingsmethode, die vor allem Kindern mit Aufmerksamkeitsstörungen hilft, strukturiertes Denken und Konzentration einzuüben. Ein ausgeklügeltes System aus Trainingsstruktur, Konzentrationsspielen und Übungen sowie Belohnungen vermitteln den Kindern auf altersgerechte Art und Weise die notwendigen Fertigkeiten, zielgerichtet zu arbeiten.

Das MKT wurde Anfang der 1990er Jahre von dem Marburger Schulpsychologen Dieter Krowatschek entwickelt, der neben seiner Tätigkeit als Schulpsychologe auch als Lehrer arbeitete. An der August-Hermann-Francke-Schule wird das MKT seit vielen Jahren im Lernstudio als Kurzintervention für Schüler/-innen der 3. bis 5. Klasse angeboten und mit Erfolg durchgeführt.

Besonders profitieren von einem Konzentrationstraining Kinder,
  • die sich leicht ablenken lassen,
  • denen es schwerfällt, Unwichtiges auszublenden,
  • die sehr lange brauchen, bis sie mit einer Aufgabe anfangen, und immer wieder erinnert werden müssen, bei der Sache zu bleiben,
  • die nicht lange bei einer Aufgabenstellung bleiben können, sondern immer etwas Neues anfangen und bei Fehlern frustriert aufgeben,
  • die noch nicht selbstständig arbeiten, ständig nachfragen und viel Zuwendung brauchen,
  • die schulmüde sind.

Wo setzt das MKT an? An einem wichtigen „Knackpunkt“, der oft über Erfolg oder Nichterfolg entscheidet: dem Umgang mit Aufgabenstellungen. Kinder mit Konzentrationsschwierigkeiten gehen beim Lernen und Denken oft ungenau, oberflächlich und zu schnell vor. Dabei machen sie häufig Fehler.

Im MKT fragen wir uns: Wie geht man an eine Aufgabe so heran, dass man sie selbstständig und möglichst erfolgreich bewältigen kann? Dies ist oft ein Stolperstein für impulsive Kinder, die eine Aufgabe beginnen, ohne sich zuvor informiert zu haben, was sie überhaupt tun sollen. Es ist aber auch ein Stolperstein für Kinder, die über einer Aufgabe ziellos brüten, ohne einen Anfang zu finden.

Auch der positive Umgang mit Fehlern wird geübt – ein weiterer Stolperstein, der manche Kinder so aus der Bahn wirft, dass sie von weiteren Bemühungen um eine Aufgabe absehen und lieber gar nichts tun oder die Lehrkraft bzw. die Eltern rufen.

Eine besondere Eigenschaft des MKT ist der ganzheitliche Ansatz. Ziele des MKT sind:
  • Training der Selbststeuerung
  • konstruktiver Umgang mit Fehlern
  • Verbesserung der Leistungsbereitschaft
  • Zutrauen in das eigene Können
  • Stärkung der Eltern
  • Verbesserung der Interaktion zwischen Eltern und Kind

Das MKT beruht auf der Methode der verbalen Selbstinstruktion, die der kognitiven Verhaltenstherapie entstammt. Die Kinder lernen dabei, eine Aufgabe in einzelnen Schritten abzuarbeiten, die sie während der Ausführung zunächst laut mitsprechen. Das laute Mitsprechen wird dann schrittweise in inneres Sprechen umgewandelt. Die Betreuer des Trainings haben dabei die Aufgabe, das Zielverhalten modellhaft vorzuführen und das Kind entsprechend dem Lernfortschritt zu loben. Neben dem Lob bekommt das Kind für jeden Erfolg Punkte, die sich später in kleinere oder größere Preise umwandeln lassen. Beide Belohnungssysteme dienen der positiven Verstärkung, wodurch das Kind das erwünschte Verhalten als richtig und angenehm erlebt. Die Aufgaben im Training sind kindgerecht spielerisch angelegt und fördern die Feinmotorik und das strukturierte Denken.

Die Übungselemente sind auf sechs Trainingsstunden ausgelegt und können auch für die Arbeit im Unterricht eingesetzt werden. Zusätzlich zum Training mit den Kindern gibt es Tipps für zuhause und einen begleitenden Elternabend, an dem auch die Lehrkräfte teilnehmen, die anschließend Elemente des MKT in ihren Unterricht einbauen.

Das Marburger Konzentrationstraining verbessert das instabile Leistungsverhalten der Kinder, indem es trainiert, die Aufmerksamkeit aufrechtzuerhalten und Aufgabenstellungen zu beachten. Dabei wird auch die Hausaufgabensituation berücksichtigt, aber auch der Spaßfaktor kommt nicht zu kurz.

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