Gott hat Frieden mit uns vor


Ulrike Schild ist Redakteurin
bei ERF Medien
Ruft mir der Nachbar zu: „Frau Schild, können Sie nicht mal dafür sorgen, dass der Herrgott Frieden schenkt – Sie haben doch einen besonderen Draht zu ihm?“

„Hat er alles schon gemacht …“, rufe ich zurück. „Aber die meisten haben’s noch nicht kapiert.“

„Wie?“, fragt er.

Das war der Einstieg in ein recht intensives Gespräch über Krieg und Frieden in der Welt und darüber, ob Gott versagt hat und tatenlos die Welt in ihr Verderben rennen lässt – oder nicht.

Wobei ich sagen muss, dass mich das Thema Krieg und Frieden auch irgendwie sprachlos macht. Dass die Antworten nicht einfach so aus mir herausflutschen, wie das sonst schon mal der Fall ist.
Alle Jahre wieder … Ist es eben auch wieder so weit. Wenn es Christen und andere Sinnsuchende in die Weihnachtsgottesdienste zieht, hören sie das Lukasevangelium, Kapitel 2, Vers 14: „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens.“

Ob uns solch ein Satz heute noch vom Sessel reißt? Friede auf Erden!

Klingt gut. Hört sich auch gut an. Berührt auch irgendwie die Seele, aber dann schieben sich auch schnell wieder andere Gefühle dazwischen. Wo ist denn dieser Friede zu finden? In der Welt geht’s drunter und drüber – sinnloses Sterben, Kriege, Terror, Hunger –, und wir reden vom Frieden. Verdrehte Welt, oder?

Jemand hat mal gesagt: „Auf den täglichen Bühnen der Welt … versagt die Friedensbotschaft, so wie Weihnachten exemplarisch im allgemeinen Konsumrausch versackt, in erbärmlicher geistiger und geistlicher Armut.“

Ein zynischer Satz, der leider auch Wahres enthält. Nein, nach Frieden hört sich das ja auch wirklich nicht an, was wir jeden Abend in den Nachrichten hören und sehen. Schreckensmeldungen aus dem Irak z.B., aus Syrien, der Türkei, dem Jemen, Tunesien, Ägypten.

Nein, nach Frieden riecht das auch nicht immer in der eigenen Familie, am Arbeitsplatz, unter den Kollegen und Vorgesetzten. Da rappelt es auch schon öfters mal im Karton. Selbst in mir drin finden doch nur allzu oft Kriege statt: Gut gegen Böse, Hass gegen Liebe, Lüge gegen Wahrheit. Und vieles mehr. Wenn’s schon mit dem Frieden in der kleinsten Zelle meines eigenen, kleines Lebens nicht gelingt, was dann?

Friedensarbeit ist eben wirklich auch kein Sonntagsspaziergang.

Es ist wahrlich ein hartes Stück Arbeit, die Beschäftigung mit dem Grauen in uns selbst, dem Grauen in der Welt, der Gewalt, den Verbrechen gegen die Menschlichkeit und was man dagegensetzen kann.

Mich persönlich bringt genau das an den Punkt, dass ich mir eingestehen muss: Ich krieg’s nicht hin – die Sache mit dem Frieden. Nicht bei mir selbst, nicht bei anderen. Ich kann mal aus eigener Anstrengung dieses und jenes auf die Beine stellen, aber dann „breche“ ich auch schnell wieder ein. Drum bin ich froh über ein ganz anderes, starkes Fundament.

Ein Liedtext drückt es treffend aus: „Gott hat Frieden mit uns vor.“ Jawohl, Frieden ist Gottes großes Anliegen für seine Menschen. Der verborgene Gott ist ja deswegen sichtbar geworden. Das feiern wir zu Weihnachten ja auch. Er schenkt uns ein Friedenskind: Jesus Christus.

Und dieser Jesus bringt nicht nur ein bisschen Frieden in die Welt, er ist der Friede. Das ist ein großer Unterschied. Das Geheimnis ist: Wenn ich mit ihm in Berührung komme, geschieht etwas in meinem Leben. Nämlich Verwandlung. Dann wird so etwas freigesetzt wie Liebe und Barmherzigkeit, Vergeben und Verzeihen. Und dann haben wir plötzlich den unwiderstehlichen Drang, so zu handeln, wie Jesus gehandelt hat, so zu fühlen, wie er gefühlt hat, so zu reden, wie Jesus geredet hat, an den Stellen zu schweigen, wo er geschwiegen hat.

Mich von Jesus berühren lassen, mich von ihm inspirieren lassen – das ist der Ausgangspunkt, um meinen Friedensbeitrag in der Welt zu leisten. Jemand hat es einmal so formuliert: „Frieden heißt nicht, dem anderen ein Lied vorzusingen, sondern wie ein Instrument werden, auf dem Gott seine Melodie spielt“ – wenn wir etwas von der heiligen Idee erspüren, die Gott für diese Welt und seine Menschen hat.

Wenn die Liebe zu Gott die Innenseite des Christentums ist, so ist die Außenseite des Evangeliums die Nächstenliebe. Nächstenliebe zielt aufs Diesseits. Sie verbindet uns mit dem Hier und Jetzt. Sie wird nicht entfacht, weil unsere Mitmenschen immer so liebenswert sind. Die Nächstenliebe der Christen entzündet sich an der Liebe Gottes zu uns. Nächstenliebe hat nichts mit Moral zu tun. Sie ist hundertmal wirksamer als Gesetze, Gebote und Moralpredigten.

Übersetzen wir das einmal in unsere oft leeren Herzen und Hände hinein: Wir haben oft nicht mal die Mittel, das Elend in unserer nächsten Umgebung zu beenden. Und selbst dann, wenn wir Geld im Überfluss hätten, ist Geld oft nicht das, was entscheidend hilft. Was gefordert sein könnte und was wirklich Wunder wirkt, ist seelische und geistliche Kraftübertragung, den anderen erzählen, woraus wir leben, was uns all die Jahre gehalten und getragen hat in guten und in schlechten Zeiten. Und auch, worauf wir hoffen.

Und wenn wir alles getan haben: die Hungernden gespeist, die Kranken besucht, die Traurigen getröstet und den Verfolgten Unterschlupf gegeben, wenn wir uns aufgerieben haben und müde sind und es wieder nur ein Tropfen auf den heißen Stein war, wird am Ende ein anderer kommen und das Werk vollenden, das über unsere Kraft gegangen ist. Jesus selbst. Ein toller Gedanke. Ein friedvoller. Ein geniales Evangelium. Gott hat Frieden mit uns vor. Er hat den Weg geebnet. Die Frage ist, ob wir den Weg mitgehen.

Ulrike Schild

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