Kleiner Tyrann im Haus


Übergewichtig, leistungsverweigernd, verhaltensoriginell: Wer der Diskussion um „Tyrannenkinder“ anhängt, sieht häufig schwarz für die Zukunft. Müssen wir uns wirklich Sorgen um die nachwachsende Generation machen oder wird das Thema viel zu heiß gekocht? Eine Spurensuche unter Psychologen und Erziehern.

Kleiner Tyrann im Haus

Max ist sauer. Er fühlt sich ungerecht behandelt. In der Schule guckt ihn die Lehrerin dauernd streng an und sagt: „Max, ich beobachte dich.“ Oder sie schimpft ihn aus. Dabei hat er doch nur seine Milchschnitte aufs Deutschheft geschmiert. Und neulich hat ihn Sergejs Mutter vor der Schule angebrüllt, er sei gefährlich. Dabei hat er Sergej doch nur eine Platzwunde beigebracht, als sie sich stritten. Zum Glück hat sich Max’ Mama dann gleich bei der Direktorin beschwert. Und sein Papa hat mit dem Anwalt gedroht. Dann war die Sache erledigt. Unwohl fühlt Max sich trotzdem und er ist irritiert. Was wollen die eigentlich alle von ihm? Er macht doch nur, was seiner Meinung nach richtig ist.

Auch Anna fällt in der Schule unangenehm auf. Sie hat im zarten Alter von 13 Jahren mit ihren Freundinnen im Gymnasium einen handfesten Prostitutionsbetrieb eingerichtet, um sich ihr Shopping zu finanzieren. Wegen der guten Nachfrage und der limitierten Pausenzeiten weiteten die Mädchen ihr Geschäft auf den Nachmittag und die elterliche Wohnung aus. Da ist sowieso niemand zu Hause. „Sex ist einfach etwas, auf das die Typen stehen und mit dem sich super Kohle machen lässt“, sagt Anna.

Diese Geschichten von Max und Anna beschreibt Psychotherapeutin Martina Leibovici-Mühlberger in ihrem Buch „Wenn die Tyrannenkinder erwachsen werden“. Max und Anna stellen dabei die Prototypen der jungen Generation dar, wie die Autorin sie sieht: übergewichtig, essgestört, chillbewusst, leistungsverweigernd, verhaltensoriginell und tyrannisch. Die Österreicherin betreibt eine Praxis in der Wiener Innenstadt und nimmt bei ihren Schilderungen kein Blatt vor den Mund. Nicht wenige ihrer kleinen Patienten sind Sprösslinge der Wiener Oberschicht, in der Geld kaum eine Rolle spielt.

Materiell lebten diese Kinder häufig im Überfluss, schreibt sie. Es fehle aber eine gute Eltern-Kind-Beziehung. Aus dem „Erziehungsmodell“ sei ein „Begleitmodell“ geworden. Den Eltern sei es wichtiger, von ihren Kindern als „Kumpel“ wahrgenommen zu werden anstatt als Autoritätsperson. Die Eltern wollten, dass sich das Kind „entfaltet“ und möglichst viel ausprobiert, ohne jedoch die Konsequenzen des eigenen Handelns tragen zu müssen, erklärt Leibovici-Mühlberger. Kinder seien für viele Eltern heute „ein Objekt, das man sich aus persönlichen Motiven angeschafft hat“.


Kinder einer „erkalteten Gesellschaft“

Mit der Einschulung, spätestens aber ab dem Besuch einer weiterführenden Schule sei für die Kinder Schluss mit dem „Sich-Ausprobieren“. Dann würden gute Noten und positives Auftreten erwartet. Das Kind hingegen wisse damit nicht umzugehen, habe es doch nie Ausdauer, Durchhaltevermögen oder Sozialkompetenz trainiert. Der Nachwuchs fühle sich überfordert, unverstanden durch die neuen Ansprüche, die an ihn gestellt werden, und komme im Schulalltag nicht zurecht. Enttäuschte Eltern, aufmüpfige und widerspenstige Kinder seien die Folge. Die Bindung in der Familie, die sowieso nie sehr eng gewesen sei, bröckele weiter. Der Nachwuchs suche sich stattdessen Gleichgesinnte in seinem Alter, auf die er Bedürfnisse wie das nach Orientierung übertrage, die eigentlich die Eltern stillen sollten. Das Problem: Die etwa gleichaltrigen Bezugspersonen befänden sich selbst noch in der Pubertät und seien kaum reif genug, diesen Anforderungen gerecht zu werden. Leibovici-Mühlberger berichtet von zweifelhaften Mutproben wie Komasaufen oder einem Pokerspiel mit aus dem häuslichen Arzneischrank geklauten Tabletten, das im Krankenhaus endete.

Sie zieht besorgniserregende Schlüsse aus ihren Beobachtungen: Anna und Max seien die „Protagonisten einer erkalteten Gesellschaft, die ihre Kinder instrumentalisiert und betrügt“. Die heranwachsende Generation sei später als erwachsene nicht in der Lage, die Zukunft zu gestalten. „Die Alten werden auf diese junge Generation nicht mehr zählen können.“ Angesichts der demografischen Entwicklung sei das ein Problem.

Der Kinder- und Jugendpsychiater Michael Winterhoff stellt ähnliche Thesen zur nachwachsenden Generation auf. Er ist unter anderem Autor des Buches „Warum unsere Kinder Tyrannen werden“. Auf das bezieht sich Leibovici-Mühlberger zwar nicht ausdrücklich, ein Anklang an Winterhoffs Aussagen ist aber zu finden. Der Psychiater prägte mit seinen Thesen die Rede von „Tyrannenkindern“: Das Kind werde von den Eltern wie ein kleiner Erwachsener und damit als Partner behandelt; damit sei das Kind überfordert. Außerdem entwickele der Erwachsene ein übermäßiges Bedürfnis, vom Kind um jeden Preis geliebt zu werden. Eltern begäben sich dadurch in eine Abhängigkeit von ihrem Kind. Aus diesen Punkten folge, dass das Kind Macht und Kontrolle über die Eltern ausübe und sie zwinge, sich komplett nach seinen Wünschen und Bedürfnissen auszurichten – daher der Begriff „Tyrannenkinder“.

Erwachsene seien ihren Kindern damit kein angemessenes Gegenüber, kritisiert Winterhoff. Stattdessen kompensierten sie mit ihrem Verhalten eigene Defizite. Wie auch Leibovici-Mühlberger beobachtet er als Folge daraus Beziehungsunfähigkeit und soziale Inkompetenz. Die Kinder verfügten nicht über eine altersgemäße Psyche, könnten zum Beispiel ihre eigenen Bedürfnisse nicht zurückstellen und die Gefühle anderer nicht wahrnehmen und einordnen. Vielen Jugendlichen fehle später der eigentlich normale Antrieb, „Ich-Leistungen“ zu erbringen, also sich selbst in Schule und Berufsleben weiterentwickeln zu wollen. Stattdessen seien sie lustorientiert und es komme ihnen nur darauf an, ihre Bedürfnisse unmittelbar zu befriedigen.


Kritik: Empirische Belege fehlen

Beide Psychiater sind überzeugt, dass die Tyranneien der Kinder ein Hilferuf an die Eltern sind: „Erzieht uns endlich!“ Ist die Lage tatsächlich so ernst? Oder übertragen Winterhoff und Leibovici-Mühlberger ihren Praxisalltag zu Unrecht auf die gesamte junge Generation? Und sind wirklich hauptsächlich die Eltern schuld?

Kritik an Winterhoffs Thesen gab es in den vergangenen Jahren häufig. Seine Thesen seien „populistisch“ und entbehrten jeglicher empirischer Belege, meinte Stern-Autorin Doris Scheyink. In seinem Artikel „Wir sind keine Sorgenkinder“ schrieb Martin Spiewak in der Wochenzeitung Die Zeit, der Arzt stütze sich ausschließlich auf Fälle seiner eigenen therapeutischen Arbeit und generalisiere diese: „Das ist etwa so, als schriebe ein Gefängnisdirektor ein Buch über die Moral der Gesellschaft und führte als Nachweis die Verbrechenskarrieren seiner Häftlinge an.“ Auch gegenüber pro äußerten verschiedene Psychologen, die Thesen von Leibovici-Mühlberger und Winterhoff seien unhaltbar. Zitiert werden wollten sie jedoch nicht.

Der Erziehungswissenschaftler Albert Wunsch teilt grundsätzlich die Sorge um die nachwachsende Generation, weist aber darauf hin, dass nicht pauschalisiert und der Blick nicht zu stark auf bestimmte Phänomene gerichtet werden dürfe. „Wir dürfen nicht vergessen, dass ein großer Teil der jungen Menschen mit Optimismus und Engagement ins Leben startet.“ Wunsch ist Dozent an der FOM-Hochschule für Ökonomie und Management in Essen und an der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf. In seinem Buch „Die Verwöhnungsfalle“ beschäftigt er sich mit der Frage, wie Kinder zu mehr Eigenverantwortlichkeit erzogen werden können.


Kinder fördern und fordern

Der jungen Generation möchte Wunsch die Schuld für ihr Verhalten nicht geben. Er sieht das als Folge von geringeren Lebensanforderungen und „lascher Erziehung“. Auch dass junge Menschen heute weniger Verpflichtungen und Aufgaben hätten, als es vor 30 oder 50 Jahren der Fall gewesen sei, spiele dabei eine Rolle. „Heute höre ich von Eltern von Jugendlichen, dass ihre Kinder noch nie eine Waschmaschine bedient haben und auch keine Aufgaben im Haushalt übernehmen müssen.“ Schon in der Grundschule werde häufig keine Disziplin mehr eingeübt, wenn zum Beispiel das Trinken während des Unterrichts erlaubt sei, anstatt die Kinder daran zu gewöhnen, das in den Pausen zu tun. Und: „Ein Kind, das regelmäßig zur Schule gefahren wird, lernt nicht laufen“, kritisiert der Erziehungswissenschaftler.

Trotz vielfältiger Bemühungen, die Talente ihrer Kinder auszuschöpfen, förderten Eltern sie häufig nicht in den richtigen Bereichen. „Ein Sprachtherapeut sagte mir, dass seine Patienten zu 90 Prozent Kinder sind, die nicht richtig sprechen können, weil ihre Eltern keine klare deutsche Sprache mit ihnen sprechen und sich auch viel zu wenig mit ihnen unterhalten“, sagt Wunsch. Viele Kinder lernten heute zudem nicht mehr schwimmen, weil Eltern seltener mit ihnen ins Schwimmbad gingen. Das bestätigt auch die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG): Die Hälfte aller Viertklässler könne heutzutage nicht schwimmen.

Mit Schuldzuweisungen hält sich Wunsch aber zurück, „damit habe ich als Christ Probleme“, sagt er. Lieber spreche er von „Ursachen und Wirkungen“. Nicht nur Kitas beeinflussten die Erziehung heute stärker, weil viele Kinder dort einen Großteil ihrer Zeit verbrächten. Auch die vielfältigen Botschaften in den Medien und in der Werbung wirkten sich auf das Verhalten der Kinder aus. „Wir haben heute viel mehr stille und laute Miterzieher als früher.“


Eltern müssen Eltern sein

Wunsch bestätigt Leibovici-Mühlberger und Winterhoff, wenn sie fordern, Kinder müssten ihre Frustrationstoleranz intensiver trainieren: „In einer multikulturellen Gesellschaft ist Frustrationstoleranz das, was man am meisten braucht. Ich muss aushalten können, dass andere anders leben als ich.“ Mit Grenzen und Konsequenzen leben zu können, sei ebenfalls essenziell. Eltern dürften Kinder nicht vor allen Konsequenzen des eigenen Handelns bewahren – sofern keine unmittelbare Gefahr bestehe. Man solle das Kind zum Beispiel ausprobieren lassen, im Winter ohne Winterkleidung rauszugehen, meint der Pädagoge. „Wenn Kinder aus eigenen Erfahrungen lernen, dass etwas gut war, machen sie es öfter. Wenn es schlecht war, lassen sie es.“ Je intensiver ein Kind die Erfahrung mache, bei Grenzüberschreitungen in Problemzonen zu geraten, desto besser lerne es, Grenzen zu akzeptieren. Bestrafungen seien für Kinder deswegen auch äußerst selten nötig. „Eltern müssen begreifen, dass sie Eltern sind und sich nicht alles gefallen lassen müssen“, fordert Wunsch deshalb. Ein Kind tyrannisiere auf Dauer nie von sich aus. Die Voraussetzung für dieses Verhalten gäben die Eltern. „Das Kind muss mehrmals die Erfahrung gemacht haben, dass es mit Tyranneien weiterkommt.“ Die elterliche Haltung, das Kind meine es doch nicht so, verstärke das tyrannische Verhalten des Kindes.


Die Sehnsucht nach Erziehung

Dass die Verhaltensauffälligkeiten vieler Kinder das Bedürfnis nach Halt und Orientierung ausdrücken, fand eine Studie des Magazins Stern im vergangenen Jahr heraus. „Die Kinder erleben ihre Welt zunehmend als labil und brüchig. Auch über einer noch intakten Familie schwebt das Damoklesschwert einer möglichen Trennung“, erklärte Stephan Grünewald, Leiter des Rheingold-Instituts, das die Studie durchführte, nach der Veröffentlichung. Kinder bräuchten wieder Eltern, die ihre Elternrolle annehmen, eine klare Position beziehen und ihre Kinder Kinder sein lassen, ist das Fazit der Untersuchung.

Für die Studie, die im Stern anschließend den Titel „Eltern, erzieht uns!“ erhielt, wurden 28 Mädchen und Jungen im Alter zwischen 8 und 15 Jahren intensiv über ihr Leben befragt. Die Kinder mussten auf Fragen antworten wie: Was macht dich glücklich? Was setzt dich unter Druck? Was genießt oder vermisst du? Wie fühlst du dich in der Welt? Diese Gespräche wurden mit 200 weiteren Interviews mit Kindern und Eltern der vorangegangenen zwei Jahre abgeglichen. Die Studie zeigt, dass Kinder heute mehr denn je zur Ausdrucksform ihrer Eltern geworden und viele Eltern verunsichert sind, wie sie ihrem Kind richtig gegenübertreten. Der Nachwuchs solle „vorzeigbar“ sein, brillieren und gleichzeitig uneingeschränkt Kind sein dürfen, heißt es.

Das Gefühl der Kinder, ihre Lebensordnung sei labil, rühre daher, dass sie mindestens im Freundeskreis Scheidungen der Eltern oder Patchworkfamilien kennenlernten. Durch veränderte Rollenbilder von Mann und Frau seien für viele Kinder außerdem Ansprechpartner und Zuständigkeiten in der Familie nicht klar. Eltern würden daher als „nicht verlässlich“ erlebt. Als Folge dessen bestätigt die Untersuchung das, was Leibovici-Mühlberger aus ihrer Praxis berichtet: Die Kinder suchen Zusammenhalt in ihren Cliquen und Freundeskreisen. Orientierung für große und kleine Entscheidungen gäben nicht mehr die Eltern, sondern vor allem die Gleichaltrigen.


„Ich muss rödeln, damit ich als Autorität gelte“

Dass diese Entwicklung zu einem Problem für den Arbeitsmarkt werden kann, fand die Ausbildungsumfrage 2016 des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) heraus. Mehr als 11.000 Unternehmen äußerten sich zu ihren Erfahrungen mit Auszubildenden. Das Ergebnis zeigt, dass die Belastbarkeit, Disziplin und Leistungsbereitschaft vieler junger Menschen abnimmt. Fast die Hälfte der Betriebe sind mit der Belastbarkeit der Jugendlichen unzufrieden. 2006 waren das 39 Prozent. 58 Prozent kritisieren außerdem die mangelnde Leistungsbereitschaft, zuvor waren das 53 Prozent. Bei der Disziplin stellten 48 Prozent der Unternehmen Mängel fest im Gegensatz zum Jahr 2006, als dies 38 Prozent so einschätzten.

Eine Lehrerin aus Mittelhessen, die namentlich nicht genannt werden möchte, beobachtet ebenfalls, dass heute mehr Kinder als zu Beginn ihres über 20-jährigen Schuldienstes verhaltensauffällig sind. In einer Klasse von 27 Kindern seien das bei ihr derzeit fünf. Sie unterrichtet an einer Integrierten Gesamtschule in der Mittelstufe. An der Schule habe sich der Bereich der Erziehungshilfe stark ausgeweitet: Speziell geschulte Kollegen arbeiten mit auffälligen Kindern regelmäßig in einem besonderen Trainingsraum. Sie lernen dort, über ihr Verhalten nachzudenken, und überlegen gemeinsam mit dem Trainer, was sie falsch gemacht haben könnten. Zu den Auffälligkeiten in der Schule zählten, keine Hausaufgaben zu machen, reinzureden, sich in der Klasse zu schlagen, sich untereinander zu beschimpfen und zu versuchen, andere Kinder mit in Streitereien hineinzuziehen. Auch wenn es diese Auffälligkeiten früher auch gegeben habe – jetzt kämen sie deutlich häufiger vor und mehr Schüler machten dabei mit. „Ich muss richtig rödeln, damit ich in den fünften Klassen als Autorität wahrgenommen werde“, sagt die 60-Jährige. „Nach einer Doppelstunde bin ich manchmal genauso fertig wie nach sechs Stunden Unterricht am Stück.“

Eine Herausforderung seien dabei oft die Eltern, die zum Beispiel nicht einsähen, dass ihr Kind in zu knapper Kleidung in der Schule erscheine. Es sei auch nicht ungewöhnlich, dass mit dem Anwalt gedroht werde, wenn die Ansichten der Lehrer nicht denen der Eltern entsprächen. Nicht selten seien Eltern zudem der Meinung, die Lehrer seien für die Erziehung zuständig. Auch mit dem Durchhaltevermögen mancher Kinder sei es nicht weit her. Am Wandertag fünf Kilometer zu wandern, schafften nur die wenigsten. „Denn sie werden ja zur Schule gefahren und wieder abgeholt. Die bewegen sich gar nicht mehr.“


Es ist nicht alles schlecht

Die Lehrerin fordert aber, das Problem differenziert zu sehen. Jedes Kind müsse individuell betrachtet werden. Sie sieht die Verhaltensauffälligkeiten vor allem als ein Problem einer sich immer schneller verändernden Gesellschaft mit diversen Herausforderungen. „Kinder sind früher reif und Eltern sind sehr stark Multitasking-mäßig eingebunden“, sagt sie. Viele Mütter wollten und müssten heute schon früh nach der Geburt ihrer Kinder wieder in den Beruf einsteigen. Beide Elternteile seien durch die Arbeit oft sehr eingebunden, sagt die Mutter von zwei erwachsenen Söhnen, die sich in einer Kirchengemeinde engagiert.

Es sei jedoch falsch, den Eltern allein die Schuld zu geben. Es sei zum Beispiel nicht leicht, als Eltern mit einer „Generation Smartphone“ konfrontiert zu sein und selbst dafür noch keine Vorbilder aus früheren Generationen zu haben. Eine besondere Herausforderung stelle auch die Unterhaltungsindustrie mit ihren diversen Angeboten dar: „Die bindet Kinder ganz stark.“ Die heutige Kindergeneration verhalte sich deshalb grundlegend anders als die vor zehn Jahren: „Sie wollen nicht mehr auf der Straße spielen, nur noch vor ihrem PC sitzen.“ Wer heute Lehrer werden wolle, müsse am besten vorher als Pfadfinder oder in der Brennpunkt-Arbeit tätig gewesen sein. Denn: „Es geht nicht mehr nur um Wissensvermittlung, sondern ganz viel um das Vermitteln sozialer Kompetenz.“ Und da brauche man einen „langen Atem“.

Ab und zu macht sie aber auch positive Erfahrungen. „Ich treffe manchmal ehemalige Schüler, die in der Schule sehr schwierige Kandidaten waren, die sich aber mittlerweile ganz positiv entwickelt haben.“ Sie seien oft nicht wiederzuerkennen.

Zu diesen Kandidaten gehören in zehn Jahren hoffentlich auch Max und Anna, wenn sie ins Berufsleben starten. Wünschen wir ihnen bis dahin, dass ihre Eltern den Mut haben, ihnen richtige Eltern zu sein. Und einige Annas und Maxe sind wahrscheinlich weder essgestört noch chillbewusst oder leistungsverweigernd, sondern durchleben einfach die Pubertät.

Swanhild Zacharias
(Quelle: Christliches Medienmagazin pro 4/2016, S. 6-8, 11-12; Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung)

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